Glatze und Dreitagebart
Es gibt von Eugen Roth ein Gedicht, in dem ein unrasierter Mann den Freuden eines erotischen Abenteuers entsagen muss. Es heißt dort:
Ein Mensch – und das geschieht nicht oft –
Bekommt Besuch, ganz unverhofft,
Von einem jungen Frauenzimmer,
Das grad, aus was für Gründen immer –
Vielleicht aus ziemlich hintergründigen –
Bereit ist, diese Nacht zu sündigen.
Der Mensch müsst nur die Arme breiten,
Dann würde sie in diese gleiten.
Der Mensch jedoch den Mut verliert,
Denn leider ist er unrasiert.
Ein Mann mit schlecht geschabtem Kinn
Verfehlt der Stunde Glücksgewinn,
Und wird er schließlich doch noch zärtlich,
wird ers zu spät und auch noch bärtlich.
Infolge schwacher Reizentfaltung
Gewinnt die Dame wieder Haltung
Und lässt den Menschen, rauh von Stoppeln,
Vergebens seine Müh verdoppeln.
Des Menschen Kinn ist seitdem glatt –
Doch findet kein Besuch mehr statt.
Heute ist es, wie man aus entsprechenden Gazetten, Talkshows und Fernsehfilmen erfährt, eher umgekehrt. Männer mit Dreitagebärten leiden nicht an „schwacher Reizentfaltung". Und wenn sie zusätzlich noch glatzköpfig sind, na dann sind wohl alle Voraussetzungen für „Stunden des Glücksgewinns" gegeben.
Ägidius Habakuk
Als Redakteur dieser Website der KBE stellt man mir gelegentlich die Frage: „Wer ist eigentlich Ägidius Habakuk?“.
Ich könnte mich als Insider (vormals Eingeweihter) bei diesem „Ansinnen“ erstens auf den „Datenschutz“ berufen und zweitens darauf, dass ich nicht verpflichtet werden kann, den Namen eines Informanten preiszugeben. Doch bin ich bereit, einige interessante Details zu offenbaren, die das Bild unseres Glossen-Schreibers konturieren.
So wird u. a. gefragt, wie alt Ägidius sei. Nach den mir vorliegenden Unterlagen und Zeugnissen hat Ägidius schon Anfang der 60er-Jahre für ein damals geschätztes Monatsmagazin der Katholischen Landjugend in der BRD, „Der Sämann“, hin und wieder Beiträge geliefert; er ist also „gesetzteren Alters“ oder war vielleicht seinerzeit ein Wunderkind. Wenn man Inhalt und Stil der Glossen aus jener Zeit vergleicht, so ist er sich selbst treu geblieben, was durch die große Ähnlichkeit zu seinen gegenwärtigen Artikeln auffällt. Ägidius Habakuks Interesse an gesellschaftlichen Trends und Entwicklungen kann man also schon in seinen frühesten Beiträgen entdecken. Bereits 1963 bricht er eine Lanze für den Einsatz der EDV (der Begriff Computer war damals noch nicht geläufig) auch außerhalb technischer und wirtschaftlicher Bereiche. Es gab da z.B. einmal eine Meldung, dass in Dänemark ein Eheanbahnungsinstitut die Auswahl geeigneter Partner per EDV träfe. Ein Aufschrei der Entrüstung verschiedenster Heftigkeit ging durch einige Teile der deutschen Öffentlichkeit!
Und was machte Ägidius? (Er schrieb sich zu der Zeit noch „Aegidius“.)
Lesen Sie selbst den Beitrag aus dem Jahre 1963 . Und in Zeiten der schnellen Trends lassen Sie mich zum Schluss des „Outings“ über Ägidius Habakuk einen abgewandelten Werbetext benutzen: Er will so bleiben, wie er ist!
Hans Fahle
