Wenn ich mir im Fernsehen neuere Filme ansehe, dann stelle ich fest, dass die Gestaltungsmittel, die früher Regisseure, Drehbuchautoren, Kammeramänner usw. angewandt haben, überhaupt keine Rolle mehr spielen. Ein Beispiel aus meiner cineatischen Vergangenheit. Ein vor einigen Monaten im Fernsehen gezeigter Film von Ingmar Bergman mit dem Titel „Sarabande“ behandelt das Thema des gestörten Verhältnisses eines im Ruhestand lebenden Vaters zu seinem erwachsenen und beruflich anerkannten Sohn. Was da geschildert wurde, war für mich immer nachvollziehbar und logisch stringent.
Ein Gegenbeispiel: Ich sah im Fernsehen einen gut besetzten und in einer Vorbesprechung in der Presse gut bewerteten Film mit Götz George und beobachte ganz präzise, wie die Handlung aufgebaut, weitergeführt usw. wurde. Hier handelte es sich um ein verdrängtes Problem zwischen Vater und Tochter. (Das war mir, ehrlich gesagt, nur durch die Vorbesprechung in der Zeitung bekannt.) Bei der Visualisierung dieser misslungenen Beziehung hatte ich große Schwierigkeiten, einen Sinn, einen Zusammenhang in den filmischen Verknüpfungen, in den Schnitten zu erkennen.
Die Frage für mich ist, bin ich ein Relikt aus einer vergangenen Epoche der Filmkultur, der Filminterpretation, der Aufnahmefähigkeit, oder habe ich nicht mehr die Fähigkeit, mich auf neue Gestaltungsmöglichkeiten einzulassen?
Ich habe kürzlich mit einem jüngeren Kollegen darüber gesprochen und festgestellt, dass er dieses Unvermögen ebenfalls hat. Frage ist: Woran liegt das wohl? Oder anders gefragt: Verstehen jüngere Filmzuschauer eigentlich wirklich, was in einem Film zum Ausdruck gebracht werden soll, oder genügt ihnen die vordergründige Spannung, die durch die hektische Machart erzeugt wird?
Ägidius Habakuk