Ist unser Zahlensystem verwirrend?

In den letzten Wochen häufen sich in den Gazetten Berichte, die unser Zahlensystem für verwirrend und deshalb reformbedürftig halten. Der Fachbegriff lautet: Zahlenverdreher. Als vorbildlich werden Sprachen gelobt, die die Zahlen nicht verdrehen. Also, wir sagen für die Zahl 23 Dreiundzwanzig. Eigentlich müsste es, so die Reformer, umgekehrt lauten: Zwanzigdrei. Bei dem Verweis auf die vorbildlichen Sprachen wird beispielsweise auch auf die Zahlwörter im Französichen verwiesen. Da sagt man vignt-troi, wobei das et, das französiche und, nur bei 21 erhalten geblieben ist, vingt-et-deux. So geht es weiter bis 60, soixante. Aber dann steigert sich die Lernschwierigkeit. Denn 70 heißt soixante-dix, also sechzig-zehn, soixante-onze 71, usw. Ab 80 wird es noch kompizierter. Von da ab wird bis 100 folgendermaßen verfahren: 80 = quatre-vignt, also vier zwanzig und so fort bis 99 = quatre-vignt- dix-neuf, auf Deutsch vier-zwanzig-zehn-neun. Eine gewisse Erlösung ist die Zahl 100, nämlich cent.
Dagegen bleibt es bei uns bei der Zahlenverdreher-Methode: Erst die Einerzahl (1-9), dann die Zehnerzahl bis 99, Neunundneunzig.
Frage: Wem sollte man im vereinten Europa eher anraten, sein Zahlensystem zu vereinfachen?

Ägidius Habakuk

Link zur Druckversion dieser Seite  Seite ausdrucken

 

© KBE  .  Typo3-Programmierung | Design: Fixpunkt