Interesse an der deutschen Sprache wächst wieder

Meine Einstellung zum überbordenen Gebrauch der so genannten Anglizismen in Werbung, Wirtschaft, Politik und Umgangssprache habe ich schon mehrfach kundgetan. Es gibt aber noch weitere Problemfelder, was die Fähigkeit, unsere Muttersprach richtig zu gebrauchen betrifft. Die Ergebnisse der Interner LinkPISA-Studie waren nur der Anfang. Mehrmals in der Woche kann man in den Gazetten Besorgnis erregende Meldungen finden. Gegenwärtig wird die altersgemäße Sprachkompetenz von Vorschulkindern geprüft. Dabei kommen die Experten zu schlimmen Ergebnissen. Aber auch bei Jugendlichen, die sich nach Beendigung ihrer Schulzeit, also in der Hauptschule mit etwa 14, 15 Jahren, um eine Lehrstelle bemühen, stellen die zuständigen Personalchefs fest, dass ein großer Prozentsatz der Jugendlichen nicht in der Lage ist, einfache Texte zu verstehen, schon gar nicht, selbst verständliche Äußerungen mündlich, geschweige denn schriftlich zu formulieren. Wo die Ursachen dieses allarmierenden Befundes liegen, will ich nicht diskutieren.
Ich möchte mich mehr über eine erfreuliche Entwicklung im Bereich der Sprachkultur äußern. Da gibt es seit einigen Monaten ein Buch mit dem Titel „Der Dativ es dem Genetiv sein Tod – Ein Wegweiser durch den Irrgarten der deutschen Sprache“ . Der Autor, ein Journalist namens Bastian Sick, hat damit eine Lawine losgetreten, die sich in zahlreichen Auftritten des Autors in ausverkauften Sälen manifestiert.
Wenn man, auf diesem Gebiet interesseriert, in die Vergangenheit der deutschen Literatur schaut, findet man zahlreiche Autoren, die sich spielerisch mit unserer Sprache befassen. Da wären beispielsweise Joachim Ringelnatz und Christian Morgenstern zu nennen. Von Letzerem kann man als Exempel sein Gedicht „Der Werwolf“ in dem Beitrag „Pisastudie – Ägidius empfiehlt“ (hier auf der Homepage) aufrufen. Von Ringelnatz möchte ich das Gedicht „Das Nasobem“ zitieren.

Auf seinen Nasen schreitet
einher das Nasobem,
von seinem Kind begleitet.
Es steht noch nicht im Brehm.

Es steht noch nicht im Meyer.
Und auch im Brockhaus nicht.
Es trat aus meiner Leyer
zum ersten Mal ans Licht.

Auf seinen Nasen schreitet
(wie schon gesagt) seitdem,
von seinem Kind begleitet,
einher das Nasobem.

Mit des Lesers freundlichem Einverständnis wage ich –hoffend, nicht als überheblich eingestuft zu werden – ein paar eigene Fingerübungen zu veröffentlichen. Eine meiner Lieblingssparten ist der Schüttelreim. Zuvor will ich aber einen Klassiker dieser Gattung vorstellen. Er bezieht sich auf einen Ort in Südtirol, den man durchfährt, wenn man nicht die Brenner-Autobahn benutzt, um gen Italien zu fahren. Er heißt Gossensass.

Ein Wagen fuhr durch Gossensass
Und fuhr durch eine Soßengass,
Sodass die ganze Gassensoß
Sich über die Insassen goss.

Meine selbst erfundenen Schüttelreime sind schlichter.

Den Schmerz in meiner Wade banne
ich abends in der Badewanne.

Derweil ich meine Schrippen kau,
seh ich mir an die Krippenschau.

Ich las in einem Wälzer: fein
schmeckt überall der Pfälzerwein.

Genug damit. Ausverkaufte Vortragssäle würde ich mit meinen Fingerübungen nicht erzielen.

Ägidius Habakuk

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