Best of Ägidius Habakuk

Ich konnte der Versuchung nicht widerstehen, in der Überschrift einen Anglizismus zu verwenden. Grundsätzlich bin ich strikt gegen diese Unart. Dazu aus dieser Auswahl ein passendes Beispiel.

 
Worüber sich Ägidius amüsiert
Sie wissen ja: Ägidius Habakuk hat es mit der Sprache. Über den hemmungslosen Gebrauch von Anglizismen regt er sich auf, über die Sucht nach bedeutungsheischenden Berufsbezeichnungen kann er sich eigentlich nur amüsieren. Oft sind diese verbunden mit Begriffen aus dem angelsächsischen Sprachraum. Content-Manager, Assistent-Director, E-vent-Manager usw. Es ist schon verwunderlich, wie schlichte Berufe durch solche Benennungen an Bedeutung gewinnen (wollen).
Fast veraltet wirken dagegen die vor einigen Jahren grassierenden, und heute noch existierenden Berufsbezeichnungen, die sich mit lateinischen oder gar griechischen Vokabeln schmücken. Neulich las ich nach längerer Pause wieder einmal den Titel Oecotrophologin (übrigens vor Jahren noch „Öko..“ geschrieben). Es handelt sich dabei um Frauen, die den ehrenwerten Beruf der Hauswirtschafterin ausüben.
Mit Verlaub, da fällt mir ein zur damaligen Zeit kolportierter Witz ein. Um mit den bedeutungsvollen Berufsbezeichnungen wie Floristen, Visagisten usw. gleichzuziehen, hätten die Tankstellenwärter auf einem Verbandstreffen vorgeschlagen, dass die Angestellten der Aral-Tankstellen sich „Aralisten“, die der Esso-Zapfsäulen sich „Essoisten“ usw. benennen dürften. Dieser Vorschlag wäre jedoch am Einspruch der BP-Leute gescheitert!!!
Spaß beiseite, auch ohne solche Witze reizen diese Bemühungen zum Lachen.

Ägidius J. Habakuk
Eine verwandte Art dieser modischen Usancen (ist kein Anglizismus) ist der Hinweis auf einen zweiten Vornamen. So könnte ich mich eigentlich Ägidius J. Habakuk nennen.
Wer etwas auf sich hält, wählt zu seinem umgangssprachlichen Vornamen noch einen zusätzlichen Buchstaben als Kürzel für einen zweiten Namen. Der wird meistens bei der Anrede nicht mit ausgesprochen. Mir ist nur ein Beispiel bekannt, wo es doch geschah. Zur Zeit der ersten Mondflüge gab es einen Reporter (beim ZDF oder der ARD, ich weiß es nicht mehr), der hieß Theo M. Loch. Der berichtete über die Geschehnisse auf Cap Canaveral. Kurz vor dem Start einer dieser Raketen sprach ihn der Reporter aus Deutschland folgendermaßen an: „Theo Em Loch, wie viele Minuten sind es noch bis zum Count Down?“ Ist das nicht herrlich?
Leider hat sich diese Anredeform nicht durchgesetzt. Ich stelle es mir wunderbar vor, wenn ich im Mittagsmagazin bei einem Interview gefragt würde: „Ägidius Jot Habakuk, welches Thema behandeln Sie in Ihrer nächsten Glosse?“ Die Antwort ist hiermit gegeben.

Ungelöste Fragen der Rechtschreibreform
Ein ähnlicher Bereich, der zu süffisanten Überlegungen und Kommentaren verleitet, ist die Rechtschreibreform. Nach jahrelangem Hin und Her und Hick und Hack gilt seit dem 1. August angeblich eine verbindliche Regelung. Interessant sind die vielen Fälle, in denen man unter zwei Möglichkeiten nach Gusto auswählen kann. Die Entscheidung kann mitunter schwerfallen, wie nachfolgendes Beispiel zeit.
Neulich las ich in einer Tageszeitung einen interessanten Artikel mit dem Titel: „Kostüme springen ins Auge“. Es ging darin um die Arbeit des Obergewandmeisters N.N. am dortigen Schauspielhaus. Und just über die Berufsbezeichnung „Obergewandmeister“ stolperte ich.
In den Tagen nach dem Urteil über die Verfassungsgemäßheit der Rechtschreibreform hatte die Tageszeitung eine hilfreiche Reihe über Schwerpunkte der Reform gebracht, die ich mit großem Interesse und Gewinn gelesen hatte. In einem der Beiträge mit dem Titel „Dreifach hält besser“ heißt es am Schluss: „Da der neue Buchstabensalat das Lesen nicht eben erleichtert, dürfen Hauptwörter mit Dreifachbuchstaben durch Bindestrich gekoppelt (entschärft) werden ...“.
Diese Regelung würde ich gerne auch auf andere zusammengesetzte Hauptwörter angewendet wissen. Beim Lesen der Reportage über die Arbeit des Herrn N.N. war mir nicht klar: Ist Herr N. N. Ober-Gewandmeister oder Obergewand-Meister. Ich halte das für eine wichtige Unterscheidung. Im zweiten Falle müsste es logischerweise auch einen Untergewand-Meister geben, einen Maître de Dessous.
Worüber ich gerne Klarheit hätte, ist die Frage, ob man auch bei missverständlichen Wortbildungen ungestraft einen Bindestrich verwenden kann. Sollten geneigte Leser in dieser Frage weiterhelfen können, wäre ich für ein Feedback, Entschuldigung: für eine Rückmeldung, dankbar.

Hausgeburten im Vormarsch
Man erfährt in den Geburtsanzeigen der Tageszeitungen immer häufiger von Hausgeburten. Das finde ich gut. Ich bin auch in meinem Elternhaus zur Welt gekommen. Zur damaligen Zeit war das die Regel. Die Renaissance der Hausgeburten begann schon vor geraumer Zeit.
Mit ihr verbunden sind auch begleitende Methoden, die meine Mutter sicher noch nicht kannte, z. B. das „Wehensingen“. Es ist naheliegend, dass die mit der Geburt verbundenen Schmerzen dadurch erträglicher werden. Ob solches Wehensingen nun als Sologesang oder im Duett mit der Hebamme erfolgt, ist mir noch nicht klar.
Kürzlich las ich in meiner Tageszeitung die Anzeige einer solchen Hausgeburt. Die Eltern dankten dabei auch der Hebamme für ihre kompetente Hilfe. Der Dank endete mit dem Satz: „...was hätten wir nur ohne dein Einstimmen beim Wehensingen gemacht.“
Mir fällt noch ein, dass ich noch den Namen der Hebamme kenne, die bei meiner Geburt kompetente Hilfe leistete. Sie hieß Ziets. Meine Brüder erfanden den Witz, dass sie, wenn sie sich am Telefon mit dem Satz meldete": „Hier Ziets“, ständig die Antwort bekam: „Dann schließen Sie doch einfach die Türe“.

Seid listig wie die Schlangen und einfältig wie die Tauben
Wenn ich mich recht erinnere, ist das ein Zitat aus dem Neuen Testament. Auf die heutige Zeit und seelsorgliche Situation angewendet, könnte man folgenden Bericht als Lösung aus der Krise sinkender Zahlen an Gottesdienstbesuchern überdenken.

Sonntagspredigt als Dreiteiler
Was machen Fernsehsender, um möglichst viele Zuschauer über längere Zeit an ihr Programm zu binden? Sie senden jede Menge Serien. Die meisten Einzelsendungen daraus sind in sich abgeschlossen. Wenn man eine nicht gesehen hat, kann man die nächste ohne Wissenslücken ansehen. Anders ist das bei den Drei- und Mehrteilern. Hier sollte man tunlichst keine verpassen. Einladungen zu Parties schlägt man aus, um nicht den Fortgang der spannenden Handlung zu versäumen.
Warum machen das eigentlich die Pastöre nicht? Sonntagspredigten als Dreiteiler! Ich muss gestehen, dass ich diese Idee nicht selbst erfunden habe. In der Sonntagsausgabe der FAZ vom 18. Januar 2004 wurde ein solches Szenario in vier Karikaturen beschrieben. Der Pfarrer stellt im ersten Bild von der Kanzel (die heute ja eigentlich gar nicht mehr für die Predigt benutzt wird) die rhetorische Frage: „Viele Menschen fragen sich: Warum lässt Gott so viel Leid zu“? Im zweiten Bild fragt er: „Ist er am Ende vielleicht gar kein guter Gott?“ Drittes Bild: „Nun, liebe Schwestern und Brüder, wollen Sie meine Meinung hören?“ Letztes Bild: „Dann seien Sie auch nächsten Sonntag um 9 Uhr wieder dabei!“
Ich finde, über diese Möglichkeit sollte man nachdenken.

Ägidius ist entsetzt
Wie mein Vorname schon erahnen läßt, hatte ich eine streng römisch-katholische Sozialisation. Ich war sogar ein Jahr in einem Knabenkonvikt im Emsland. Wir wurden nach den Ferien von Nonnen von einem zentralen Bahnhof im Ruhrgebiet abgeholt. Während der Zugfahrt verzehrten die ehrwürdigen Schwestern ihren Reiseproviant, aber nicht unter unseren Augen, sondern separat in einem besonderen Abteil. Das hatte, glaube ich, etwas mit dem Gelübde der Keuschheit zu tun.
Wie sich die Zeiten ändern
Heute erfuhr ich durch eine weit verbreitete Zeitung des Reviers, daß im Internet ein Rezept für „Nonnenfürzle“ aufrufbar sei. Zuerst dachte ich, dass es sich um eine kirchenfeindliche Website handeln müsste. Aber nein: Veröffentlicht wurde dieses Rezept auf der Homepage des Bistums Essen. Ich bin sofort online gegangen, um mir Gewissheit zu verschaffen. Meine Hoffnung, dass es sich um
eine Falschmeldung handelte, wurde jedoch enttäuscht. Ich las dort Folgendes:

Nonnenfürzle
Unter dem beziehungsreichen Namen Nonnenfürzle sind eine ganze Reihe sehr unterschiedlicher Rezepte überliefert. Das Mondseer Kochbuch aus der Mitte des 15. Jahrhunderts beschreibt eine Suppeneinlage, die entfernt an Backerbsen erinnert, doch sind die Nonnenfürzle nicht aus Brandteig, sondern aus einem Eierteig hergestellt.
Gebackene Bohnen oder Nonnenfurz in Tunke: (Es folgt ein weiteres Rezept, das hier nicht näher beschrieben werden muss.)
Man stelle sich vor: Wir jungen Christen wurden vor geraumer Zeit zur Ehrfurcht vor dem Intimleben der Ordensschwestern erzogen. Heute wird der Jugend und den Erwachsenen der ganzen Welt frech von den ehrwürdigen Blähungen der Klosterfrauen berichtet.
Ägidius Habakuk

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