Sankt Martin und der Gender-Mainstream

Schon vor einigen Tagen hörte ich (durchs geschlossene Fenster) das bekannte Lied „Sankt Martin ritt ...", dargeboten von einer Blaskapelle. In meinem Viertel wird immer noch jedes Jahr ein Martinszug durchgeführt, mit Sankt Martin zu Pferde, einer Blaskapelle und Kindern mit Fackeln und ihren Eltern. Vor einigen Jahren habe ich mir das – durch die Tageszeitung darauf aufmerksam gemacht – „live" angesehen. Sankt Martin zu Pferde war allerdings, unschwer erkennbar, eine Frau. Fragt ein kleiner Knirps seine Mutter (Originalton): „Ist Sankt Martin eigentlich ein Frauenberuf?"

Wenn vor geraumer Zeit noch nicht, so doch inzwischen wohl.

„Im hell erleuchteten Pavillon teilte St. Martin, in diesem Fall eine junge Dame mit Namen Martina, ihren Umhang mit der Bettlerin. 500 Menschen wanderten mit beim Umzug der Lukas-Kindertagesstätte. Mit 140 selbstgebastelten Grusel-Laternen folgten sie der Reiterin durch den Grugapark. Zum finalen Martinsspiel versammelte man sich im Pavillon. Dort las auch Pfarrerin Marion Greve die Legende vom heiligen Martin von Tours vor, der trotz Schnee und Kälte seinen Mantel mit einem Bettler teilte."

So zu lesen in der Ausgabe vom 11. 11. 2005 in der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ).

Mit Verlaub, da fragt man sich doch, ob dem berechtigten Anliegen der Gleichstellung von Mann und Frau hier nicht Gewalt angetan wird. In Konsequenz müssten Legenden von vorbildhaften – in katholischer Formulierung „heilig gesprochenen" – Frauen auch in maskulienen Fassungen vermittelt werden. Aus der Vielzahl vorbildhafter Frauen allein aus der katholischen Tradition nur zwei Beispiele. Was machen wir, um Gleichbehandlung der Geschlechter bemühten Männer, mit der hl. Barbara. Sie ist Schutzheilige der Bergleute, Bauleute, Artilleristen und Waffenschmiede. Wie kann man sie auch für Frauenberufe einsetzbar darstellen. Am 4. Dezember werden traditionell Zweige ins Wasser gestellt, damit diese Weihnachten Blüten tragen. Wie begeht man den 4. Dezember gender-mainstreammäßig korrekt? Noch eklatanter ist dieses Problem bei der hl. Hildegard. Was diese Ordensfrau alles bewirkt hat, ist Bände füllend. Allein ihre Erkenntnisse in der Naturheilkunde, die heute Konjunktur haben, füllen Bibliotheken. Muss man ihr jetzt auch einen Ordensmann, einen Mönch, zur Seite stellen?

Meine Meinung ist: Lassen wir Sankt Martin und der hl. Hildegard ihre Verdienste und richten unsere Aktivitäten für eine Gleichbewertung und Gleichbehandlung der Geschlechter auf wichtigere Bereiche.

Nebenbei: Was haben selbstgebastelte „Grusel-Laternen" im Martinszug verloren?

Ägidius Habakuk

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