Sprache im Internet

In der Wochenendbeilage meiner Tageszeitung fand ich einen Beitrag, der nicht nur lustig sondern auch zeitkritisch ist. Es ging dabei um unsere Sprache, ein Gebiet, das ich für besonders wichtig halte. In der Geschichte erzählt der Autor, ein echter Ruhrgebietler, von einem Bekannten namens Stefan Heine, den er für „total gestört“ hält, nicht etwa von dessen Verhalten her. Zwar hieße er „wie der große deutsche Dichter, aber dat er sprachlich rein gar nix aufe Pfanne hat.“

Einen Grund dafür sieht der Autor darin, dass für Stefans Eltern das Wort „Lesen“ immer ein Fremdwort gewesen wäre. „Tja, selbst gesprochen ham die auch nich richtig viel, so dat dat Sprachzentrum vom Stefan von Anfang an nich viel Nahrung gekricht hat.“ Und der Computer, den Stefan hat, ist für den nur eine große Spielesammlung. „Wat ihm aber sprachlich gesehen den Hals gebrochen hat, dat is dat Internet.“ Seine Gesprächsparter im Internet, die Chatter, hätten oft ein Vokabular, ähnlich dem in den Comics. Statt „Dat find ich aber traurig“ stände da nur „heul!“ auf dem Bildschirm. Stefan hätte das wohl irgenwie fasziniert. Er unterhielte sich nur noch so, „auch wenn er gar nich auf Sendung ist, also online, wie man dat in der Fachsprache sacht.“ Seinen ohnehin einfachen Satzbau hätte er auf „Ein-Wort-Gebilde“ reduziert. Das findet der Autor im Grunde auch nicht besonders auffallend, denn Stefan wäre ja nicht der einzige seiner Art. „Und Sittiche haben untereinander ja auch keine Verständigungsschwierigkeiten.“ Sorgen macht sich Stefans Bekannter um dessen Schicksal, wenn er eines Tages auf dem Sterbebett läge, „umringt von seine Blagen und Enkelblagen, und er dann als letztet Wort noch „offline“ stammelt, wat unter Chattern soviel bedeutet wie „Ich bin jetz gleich weg!“ Und alle um ihn rum sagen dann „heul!“

Der Autor hat seine Empfindungen der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ) mitgeteilt. Wer den ganzen Beitrag lesen möchte, findet das im Internet unter Externer Link, öffnet in neuem Fensterwww.waz.de im Archiv 21.09.2002 / WOCHENENDBEILAGE „Ich hab da nen Bekannten“.

Ägidius Habakuk

Link zur Druckversion dieser Seite  Seite ausdrucken

 

© KBE  .  Typo3-Programmierung | Design: Fixpunkt